Homosexualität(en) und Nationalsozialismus Vortrag und Diskussion mit Gudrun Hauer, Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien

Ein wichtiges Charakteristikum der Geschlechterpolitik des NS-Staates war die Kriminalisierung der – männlichen – Homosexualität in der Form des § 175. Dieser war allerdings keine „Erfindung“ der NS-Strafrechtler, sondern er wurde 1871 ins deutsche Strafrecht eingeführt. In Österreich kriminalisierte der § 129a gleichgeschlechtliche Sexualakte bei beiden Geschlechtern. Basierend auf neuesten Forschungsergebnissen konnen wir eine gezielte Verfolgungspolitik gegenüber homosexuellen Männern feststellen, die Verwendung des Begriffes „Homocaust“ als Analogon zum Holocaust ist allerdings  unzulässig. Der Zugriff des NS-Staates auf die Geschlechter war unterschiedlich: Homosexuelle Frauen waren tendenziell stärker von „weichen Diskrriminierungsformen“ betroffen, homosexuelle Männer tendenziell stärker von „harten Formen“ der Diskriminierung.

Im ersten Teil meines Vortrages werde ich die wichtigsten historischen Fakten zur Homosexualitätspolitik des NS-Staates vortragen – unterschieden nach Deutschland und Österreich sowie unterschieden zwischen homosexuellen Frauen und Männern. Ich werde weiters auf den Umgang der Republik Österreich mit den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus eingehen und Beispiele für die Erinnerungs- und Trauerarbeit der Lesben- und Schwulenbewegung in diesem Kontext behandeln. Abschließend werde ich ein politisch-theoretisches Analysemodell vorstellen, das begründet, warum der NS-Staat Lesben und Schwule unterschiedlich behandelte.

Donnerstag, 10.05.2012, 18 Uhr, Seminarraum IE, Institut für Afrikawissenschaften, Campus AAKH Hof 5, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien

Advertisements