„Kriminell“ und „asozial“. Aspekte der Verfolgung von „Gemeinschaftsfremden“ und ihr Bild nach 1945 Vortrag und Diskussion mit Sylvia Köchl, Freie Politikwissenschaftlerin und Aktivistin der Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen

Abstract (Sylvia Köchl)

Im ersten Teil werde ich einen kurzen Überblick über die Verfolgungssituationen von als „asozial“ und „kriminell“ stigmatisierten Menschen geben.

Danach stelle ich die Frage, warum im Kontext der Frauengeschichtsforschung und der feministischen Forschung, aber auch in aktivistischen Zusammenhängen diese Verfolgtengruppen lange Zeit nicht beachtet wurden.

Ausgehend von meiner eigenen Forschung zu Frauen, die im KZ Ravensbrück als „Berufsverbrecherinnen“ inhaftiert waren, kann ich weitere damit zusammenhängende Probleme aufzeigen. Eine konkrete Folge dieser Lücke in der Beschäftigung mit KZ-Opfern ist z.B. die Tatsache, dass es kaum Interviews mit bzw. Selbstzeugnisse von Betroffenen gibt. Welche Quellen stehen uns also zur Verfügung und wie sollte mit diesen Quellen aus feministischer Sicht umgegangen werden? Und was haben tradierte Geschlechterbilder, der problematische Umgang mit Frauen als NS-Täterinnen sowie Mängel in der Täter*innen-Forschung insgesamt damit zu tun, dass die Beschäftigung mit diesen Opfern bis heute so schwierig erscheint?

Schließlich muss auch gefragt werden, welche Auswirkungen die kontinuierliche Diskriminierung dieser Opfergruppen nach 1945 hatte und warum der Kampf um deren Anerkennung so langwierig und bis heute nicht abgeschlossen ist.

Donnerstag, 31.05.2012, 18 Uhr, Seminarraum IE, Institut für Afrikawissenschaften, Campus AAKH Hof 5, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien

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