das Projekt

Studierende der „Internationalen Entwicklung“ nehmen das 20. Jahrhundert oft nur in seiner „entwicklungsgeschichtlichen“ Dimension wahr. Den Ereignissen vor 1945 wird dabei wenig Bedeutung beigemessen. Daher wollen wir uns mit unserem Projekt über Vorträge und einem begleitendem, sowie vertiefendem Lesekreis dem Nationalsozialismus nähern. Dabei wollen wir insbesondere die Herstellung und Reproduktion von hegemonialen Körpernormen ins Zentrum Rücken, welche bestimmte „Körper“ vom Schutz und den Privilegien der Mehrheitsgesellschaft ausschließen und zu Objekten struktureller und physischer Gewalt machen. So wurden  Menschen, welche als homosexuell, „Asoziale“ oder „fremdvölkisch“ erkannt und gekennzeichnet wurden zu Opfern eines mörderischen patriarchalen NS-Staates. Die Geschichte und Erfahrungen dieser Menschen zeigen aber auch, dass sie trotz allgegenwärtiger „Todesdrohung“, immer aktive und handelnde Subjekte waren, die in bestimmten Fällen gegen das vermeintlich unabwendbare Schicksal rebellieren und diesem entfliehen konnten.

Feministische und queere Perspektiven haben sich insbesondere innerhalb der letzen zwei Jahrzehnten im Wissenschaftsbetrieb durchsetzen und behaupten können. Auch im noch männerdominierten Feld der Holocaust- und Nationalsozialismusforschung etablierten sich mittlerweile feministische und queere Ansätze. Die durch dieses Engagement entstandenen theoretischen/praktischen Zugänge bieten heute für Wissenschafter_innen und Aktivist_innen wichtige Instrumente im Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Vor allem intersektionale Ansätze, welche die Interdependenz verschiedener Diskriminierungs- und Unterdrückungsmechanismen sichtbar machen, ermöglichen eine breitgefächerte Kritik und eröffnen ein weites Feld möglicher disziplinäre und politischer Allianzen.

In der Vortragsreihe, wollen wir diese enge Verknüpfung von theoretischer und praktischer politischer Arbeit widerspiegeln. Daher wollen wir in einem ersten Teil verschiedene theoretische Zugänge zum Thema kennenlernen und uns in einem zweiten mit der aktuellen politischen Arbeit und den daran geknüpften Erfahrungen von Aktivistinnen beschäftigen. Begleitend sollen die verschiedenen Themen durch einen mit den Vorträgen alternierenden Lesekreis vorbereitet werden. Als Einstieg wollen wir uns mit den theoretischen Ansätzen feministischer Perspektiven zum Nationalsozialismus beschäftigen. In den darauffolgenden Einheiten sollen die Themen Körperbilder im Nationalsozialismus, sexualisierte Gewalt in den Konzentrationslager, die Diskriminierung und Asylierung „Krimineller“ und „Asozialer“, die Verfolgung Homosexueller, sowie der patriarchalen Verfasstheit des NS-Staats erörtert werden. Im Anschluss daran wollen wir Aktivistinnen der Lagergemeinschaft Ravensbrück und des Baucamps Uckermark einladen um uns mit dem Thema Erinnerungsarbeit auseinander zu setzten.

Der Reader zum Lesekreis soll den Teilnehmerinnen die Möglichkeit bieten sich individuell, aber auch in der Gruppe, mit der Komplexität der gestreiften Themen auseinanderzusetzen. Das Sommersemester soll durch die Exkursion nach Ravensbrück und Uckermark abgeschlossen werden (voraussichtlich im Juli).

In diesem Sinne wollen wir etwaige disziplinäre Grenzen überschreiten, Studierende verschiedener Disziplinen und Studienrichtungen mit diesem Projekt ansprechen und für die Thematik interessieren und politisieren. Vorträge und Lesekreis, die mit der Exkursion nach Ravensbrück und das Lager Uckermark ergänzt werden, sollen in die Komplexität des Themas einführen und Interessierte für „Mehr!“ begeistern. Über die geleitete Aneignung von Wissen wollen wird darüber hinaus Raum für Reflexion und Austausch untereinander schaffen.

„Gefördertes Sonderprojekt der Österreichischen HochschülerInnenschaft“
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